Kathrin und Sven Suffa suchen mit ihrem kürzlich eröffneten Geschäft ihr neues Glück in Sonnebergs Altstadt.
Sonneberg - Demographischer Wandel, Abwanderung der Jugend und Tristesse dort, wo einst das Leben pulsierte, so ernst man diese Veränderungen auch nehmen muss, vor reiner Schwarzmalerei sollte man sich hüten.
Denn es gibt sie noch, junge Menschen, die ihr Glück in der Heimat versuchen. Freies Wort stellt in der Serie "hiergeblieben" einige von ihnen vor. Heute Kathrin und Sven Suffa, die am 12. Oktober dieses Jahres in der Coburger Straße 24 ihren eigenen Laden eröffneten.
Unter dem Namen "Hexenstich" vereinen sich hier kunstvolle Glasgravuren, Schmuck und
Geschenkartikel mit modischen Accessoires der Gothic- und Mittelalterszene, diversen Met-Spezialitäten, Trinkhörnern, Räucherwerk und okkulten Gebrauchsgegenständen wie beispielsweise einem Hexenbrett.
"So was geht doch nicht in Sonneberg, ein solcher Laden funktioniert nur in einer Großstadt", warnten viele Freunde.
"Für uns war es klar, dass wir es erst mal hier versuchen", erzählt Kathrin Suffa.
Bis vor Kurzem hieß die gelernte Kunstglasgestalterin noch Stadler. Den neuen Lebensabschnitt der Selbstständigkeit geht sie gemeinsam mit Ehemann Sven, den sie im Oktober geheiratet hat. Die
Ausbildung zum Kunstglasgestalter absolvierte sie 1996 an der Berufsfachschule in Lauscha.
In ihrem Beruf war die junge Glaskünstlerin, Jahrgang 1979, allerdings nur zwei Jahre tätig, dann wechselte sie in die Industrie und verdingte sich als Schichtarbeiterin.
"Kunstglasgestalter war zwar mein Traumberuf, aber davon wurde mein Kühlschrank nicht voll", erinnert sich Kathrin.
Mit neun Mark Stundenlohn war nicht viel zu erreichen. In der Industrie wurde zwar besser bezahlt, aber glücklich wurde sie mit dieser Beschäftigung nicht.
"Ich wollte schon immer selbstbestimmt etwas machen", beschreibt sie ihre Intentionen.
Die Glasgravur betrieb sie schon seit längerem als Hobby,
"Für Svens Eltern gestaltete ich zum Geburtstag eine Karaffe", berichtet sie.
Schnell tauchte die Frage auf, wo sie diese fertigen ließen.
Das Interesse an den Gravuren wuchs in der Verwandtschaft und im Kollegenkreis. So meldete sie bereits im vorigen Jahr ihr Gewerbe an, ein Flyer wurde entworfen und die erste Internetseite online gestellt. Sven Suffa, Jahrgang 1980, ist gelernter Industriemechaniker und in Oberlind aufgewachsen.
"Bis 2001 habe ich in Neustadt gearbeitet, dann war ich ein Jahr arbeitslos und danach arbeitete ich in einer Kronacher Firma für Autoelektronik", erzählt er.
Auch er hatte schon länger den Traum von der Selbstständigkeit,
"Ich wollte immer schon regionale Bands unterstützen, war viel auf Konzerten und auf Mittelaltermärkten und mit dem Laden haben wir jetzt etwas Gemeinsames", sagt er.
Im Schaufenster hängen die Veranstaltungsplakate verschiedener Gothic-Bands und die Karten kann man auch hier bestellen. Mit seinen selbst gefertigten Lederarmbändern und Schmuck sowie ihren Glasgravuren reisten die beiden im vergangenen Jahr mit ihrem Verkaufsstand bereits über einige Mittelaltermärkte.
Umzug in den Laden
Die Gravurarbeiten erledigte Kathrin anfangs noch in ihrer heimischen Werkstatt. Doch auf Dauer war das keine optimale Lösung und so begaben sich beide auf die Suche nach einen geeignetem Laden. Die Standortwahl in der Coburger Straße, schräg gegenüber der Lindner Villen, quasi am Eingang zum alten Sonneberg war eine bewusste Entscheidung.
Von dem Allerweltsangebot der Geschäfte in der Bahnhofsstraße wollten sie sich abheben.
Ihr jetziger Laden, getaucht in ein geheimnisvolles Violett, hat einen Hauch von Eleganz. Die großzügige Raumaufteilung und das übersichtliche Sortiment lassen Raum für ihre Kunden.
"Zu uns kommen Schüler genauso wie die Omi von nebenan", so Kathrin Suffa.
Eine kleine Spielecke für Kinder fand hier ebenso Platz wie ein Tisch mit Plätzen für die
Kundengespräche.
"Wenn man es in der Heimat nicht schafft, schafft man es woanders auch nicht", erzählt die Graveurin.
"Heimat kommt von daheim, dabei muss es nicht unbedingt an einen Ort gebunden sein, Heimat ist da wo man sich wohl fühlt, Heimat ist für mich auch mein Sven", meint sie.
Nachdem sie das Buch "Die Glasbläserin" gelesen hatte, sieht sie das alte Sonneberg noch malerischer.
"Sonneberg stellt sein Licht unter den Scheffel und mir kommt es vor, als wenn die Stadt gar nicht zu sich selbst steht. Man müsste viel mehr in der Altstadt das alte erhalten, statt dieser aufgesetzten Moderne von Piko-Platz, Juttaplatz oder Kreiselplastik", beklagt die in Steinach aufgewachsene Sonnebergerin.
Als Beispiel berichtete sie von Rothenburg ob der Tauber, wo sie ihre Hochzeitsreise hinführte.
Über den Zuspruch der ersten Wochen sind die beiden erfreut. Es kamen schon Kunden aus Coburg und Kronach, ja selbst nach Norwegen habe man schon etwas verschickt.
"Man muss erst mal etwas anfangen, dann geht auch wieder eine Tür auf", sagt die Graveurin abschließend.
woz